Die »Süddeutsche« in Erdoğans Spur?

Heute erschien eine abstruse Meldung in der Süddeutschen: »Die Tschechische Republik heißt jetzt offiziell Tschechien.« Welche Ausbildung der Autor dieser Meldung erreicht hat, ließ sich nicht ermitteln. Doch sein Werk verrät immerhin reichliche Unkenntnis.

Offiziell nennt sich jedes Land nur in der Landessprache. So heißt die bisherige Tschechische Republik nun offiziell »Česko«. So wie Finnland sich selbst offiziell »Suomen tasavalta« und die Slowakische Republik offiziell »Slovenská republika« oder kurz»Slovensko« nennt.

Diese Landesnamen heißt es nun hin und her zu übersetzen, selbst für gediegene Blätter wie die Süddeutsche. Die Finnen nennen uns »Saksa« (also »Sachsen«) und die Tschechen »Německo« (also »Land der Stummen«). Deutsche mit Bonsai-Selbstwertgefühl können jetzt richtig ausrasten. Sind wir denn alle Sachsen oder stumm, weil Ausländer unsere Sprache nicht verstehen? Beleidigung! Da soll doch gleich einmal der Außenminister vorstellig werden und diesen Wildlingen die richtige Übersetzung vorschreiben?

Nein? Das tut man nicht? Richtig. Das Minimum an Souveränität, was man einem Staat zugestehen sollte, ist, allein über seine Sprache entscheiden zu dürfen. Doch mindestens eine Ausnahme gibt es: das Rechtsmuseum Deutschland.

Irgendwelche sowohl des Tschechischen als auch der Geschichte unmächtigen Entscheider rund um das deutsche Außenministerium entschlossen sich, für »Česko« die Übersetzung »Tschechien« durchzuboxen, angeblich auf Forderung tschechischer Behörden. Die aberwitzige Begründung: Im Dritten Reich hätte man die – auch historisch korrekte – Übersetzung »Tschechei« abschätzig für dieses Staatsgebiet benutzt. Also müsse ein frisches Kunstwort her. Dabei vergaß man allerdings gleich noch »Slowakien« oder »Mongolien« überzustülpen. Vielleicht sollten wir wegen des unstrittigen massenhaften Missbrauchs deutschen Vokabulars unsere Sprache entsorgen und auf Volapük umsteigen?

Ist dieser Fehler nun bedeutsam? Nein, über ihn könnte man lächeln. Wenn er nicht die krankhafter Sucht deutscher Politiker beleuchtete, vor ausländischen Herrscherfiguren auf Kosten des eigenen Volkes zu katzbuckeln. Von »Tschechien« führt ein konsequenter Irrweg zum Anschleimen der Bundeskanzlerin an Erdoğan

Epilog. »Tschechien« gibt es wirklich; in einer Sage. Es ist die Gegend, in der die mythische, heidnische Gestalt »Tschechie«, die Beschützerin der böhmische Lande, ihr Wesen treibt.

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